Freitag, 4. Juni 2021

 



Mein Rapunzel im Mai...


In diesem Monat hätte Dornröschen gut gepasst. Ich bin sooo müde und bin abends so gerädert, das ich mich echt aufraffen musste , um endlich diesen Post zu schreiben.

Mit Rapunzel im Mai zieht nun auch wieder eine Art „Normalität“ ein. Corona scheint vorbei?? Recht plötzlich ,wie mir scheint , sinken allerorts die Infektionszahlen. Das ist erfreulich ,heißt es doch, das weniger Menschen krank werden, die Maßnahmen Wirkung zeigen und das Leben wieder offener gestaltet werden kann.

Nur frag ich mich, wie viel von der sogenannten Normalität möchte ich zurück und worauf könnte ich auch zukünftig weiter gut verzichten?

Schauen wir uns Rapunzel an, Sie wird als Säugling den Eltern genommen , da sie als Pfand für die Schwangerschaftsgelüste der Mutter herhalten muss. Die böse Zauberin sperrt sie in einen hohen Turm , ohne Eingang , ohne irgendeinen Zugang.

Sie sperrt sie ein , in dem vermeintlichen guten Glauben , sie vor der Welt schützen zu müssen. Und vielleicht auch , um sie für sich zu behalten.

Warum macht sie das? Vielleicht kann sie sich den Wunsch nach einem eigenen Kind nicht erfüllen, obwohl sie über Zauberkräfte verfügt. Das sehen wir ja auch im Rumpelstilzchen. Das einerseits Stroh zu Gold spinnen kann. Aber andererseits wiederum auf einen Pfand angewiesen ist, das lebendige Kind der zukünftigen Königin(„..etwas lebendes ist mir lieber, als alle Schätze der Welt..) .Auch er kann sich bei aller Magie kein Kind zaubern.

Was wollen uns die Märchen damit sagen? Das Leben, Lebendigkeit, Gesundheit , Unversehrtheit und die kindliche Naivität, Reinheit, viel wichtiger und kostbarer sind als Reichtum , Zauberei und Macht?

Mit diesem Kind erfüllt die Zauberin im Rapunzel sich einen Traum. Den Traum vom eigenen Kind. Sich selber in dem Kind sehen und eigene Wünsche und Ideale in und an dem Kind zu erfüllen. Sie weiß aber wie dünn das Band zu ihrer Ziehtochter ist, wie leicht es reißen könnte. Deshalb sperrt sie Rapunzel weg, unerreichbar, gesichert , verborgen vor jedermann.







Der Turm ohne Ausgang ruft erst einmal Assoziationen wie Einsamkeit, Abgeschiedenheit, Langeweile und Haft hervor. Nur ist der Turm nicht auch eine Sicherheit, ein feste Burg, die umhüllt und schützt. Der Turm zwingt Rapunzel dazu , sich auf sich zu besinnen, das Außen auszublenden, da sie ja ohnehin nicht raus kann.

Sie kehrt ein in sich und kommt zur Ruhe. Nichts lenkt sie ab. Sie hat alles was wichtig ist , was sie zum Überleben braucht. Rapunzel muss sich Gedanken machen , was kann ich mit meiner Zeit anfangen? Wie nutze ich die Stunden in Gesellschaft, wenn die Zauberin da ist?

Das hält natürlich nicht ewig, nicht ein Leben lang. Die Welt außerhalb des Turmes dreht sich weiter, es kommen Menschen durch den Wald und entdecken den Turm. So wie der Prinz dort im Turm seine Rapunzel dann heimlich anfängt zu treffen und sich beide ineinander verlieben. Die Welt öffnet sich wieder für Rapunzel und sie strebt nach draußen .






Mir geht die ganze Zeit ein Vergleich nicht aus dem Kopf.

Der Turm ist wie „Corona“. Er sperrt uns ein . Er hindert uns am gesellschaftlichen Leben draußen. Sehr massiv und oft auch schmerzhaft, wie man rückblickend sagen muss. Aber der „ Corona Turm“ hat auch viele geerdet. Wenn man so zum Stillstand gezwungen wird , dann sieht und spürt man endlich wieder die Dinge , die sonst längst unsichtbar geworden sind im „Hamsterrad Normalität“. Lebendigkeit, Gesundheit, Neugier, aus Langweile heraus entstehende Kreativität. Es kommen Empfindungen wie Leichtigkeit, Ungezwungenheit und Lust und Freude auf. So war es zumindest bei mir, bei uns in der Familie. Auch negative Aspekte zeigt der „Covid Turm“. Planlosigkeit, Hilflosigkeit, Einsamkeit und manchmal Zukunftsangst. Er ist halt nicht für immer dieser Turm. Im Märchen nicht und auch nicht im realen Leben.

Aber ich versuche mir viele Gesichtspunkte, neue Rituale und einfach Dinge die mir im  "Lockdown" wichtig waren zu bewahren. Ich möchte sie wie kleine Schätze weiterhin mitnehmen im Leben und möchte ihnen Raum  geben, mir Zeit zu nehmen für die kleinen , aber doch so entscheidenden Dinge im Leben.

Und deshalb war ich trotz meiner Müdigkeit und dem ganz normalen täglichen Wahnsinn nicht untätig. Ich habe eine Rapunzel für unseren Verkleidungsschrank genäht. Sie soll sich mit ihren Mega-Zöpfen zukünftig um Ordnung bei den Haargummis und Haarspangen bemühen!


Liebe Grüße, bis bald zu Frau Holle im Sommer...na das wird was...

Ab zu Maika


















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